Seit Jahren bewegen sich Produkte aus Hanf und anderen Pflanzen im Spannungsfeld zwischen Marktbegeisterung, Verbrauchererwartungen und regulatorischer Vorsicht. Die jüngste Empfehlung der EFSA zu CBD und ihre Positionen zu pflanzlichen Präparaten aus dem Jahr 2026 bestätigten eine wesentliche Erkenntnis: In Europa lautet die zentrale Frage nicht nur „Ist es natürlich?“, sondern vor allem „Ist es ausreichend dokumentiert, um als sicher für die Verwendung in Lebensmitteln zu gelten?“.
Für Erwachsene, die Öle, Kapseln, Extrakte oder pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel kaufen, ist diese Änderung bedeutsam. Sie bedeutet nicht das Ende von Hanfprodukten oder deren Anwendung im Wellnessbereich, sondern führt zu einem strengeren, technischeren und anspruchsvolleren Rahmen. Im Folgenden erfahren Sie, was dies konkret für Lebensmittel und therapeutische Anwendungen aus der Pflanze bedeutet.
Ein neuer Meilenstein für CBD-Lebensmittel in Europa
Die bedeutendste Entwicklung ist die Stellungnahme der EFSA vom 9. Februar 2026 zu Cannabidiol als neuartigem Lebensmittel. Die Behörde legte einen vorläufigen Sicherheitsgrenzwert von 0,0275 mg/kg Körpergewicht pro Tag fest, was etwa 2 mg pro Tag für einen 70 kg schweren Erwachsenen entspricht. Dies ist ein wichtiger Richtwert, da er erstmals einen quantifizierten vorläufigen Schwellenwert im Lebensmittelkontext festlegt.
Es ist jedoch wichtig, dies gleich klarzustellen: Diese Einstufung ist vorläufig und gilt nicht für alle CBD-. Die EFSA präzisiert, dass sie sich nur auf bestimmte Formulierungen von Nahrungsergänzungsmitteln bezieht. Anders ausgedrückt: Es handelt sich weder um eine generelle Zulassung „aller CBD-Produkte“ noch um eine uneingeschränkte Zulassung für alle Öle, Gummibärchen, Kapseln oder Getränke auf dem europäischen Markt.
Für seriöse Marken und informierte Verbraucher ändert sich dadurch die Herangehensweise. CBD-haltige Lebensmittel werden nicht mehr allein nach ihrer Beliebtheit oder pflanzlichen Herkunft bewertet, sondern nach strengen Kriterien: Dosierung, Zusammensetzung, genaue Zusammensetzung, toxikologisches Profil und Anwendungsbedingungen. In der Praxis werden sich diejenigen Produkte durchsetzen, die ihre Konformität, Rückverfolgbarkeit und Sicherheit lückenlos nachweisen können.
Warum diese Empfehlung keine allgemeine Befürwortung darstellt
Viele könnten diese Nachricht als eine Art Befürwortung von CBD durch die EFSA interpretieren. Tatsächlich bleibt die Behörde jedoch vorsichtig. Sie betont weiterhin, dass erhebliche Datenlücken bestehen, insbesondere hinsichtlich potenzieller Auswirkungen auf die Leber sowie auf das endokrine, das Nerven- und das Fortpflanzungssystem. Diese Punkte wurden bereits 2022 hervorgehoben und sind noch nicht vollständig geklärt.
Diese Vorsicht hat eine direkte Konsequenz: Die EFSA prüft weiterhin jeden Antrag einzeln. Jeder Antrag auf Zulassung eines neuen Lebensmittels wird anhand der vom Antragsteller vorgelegten Daten geprüft. Das bedeutet, dass ein Inhaltsstoff, Extrakt oder eine Formulierung nicht automatisch von den Daten eines anderen profitieren kann. Zwei CBD-basierte Produkte können daher je nach Qualität ihrer Dokumentation sehr unterschiedlich bewertet werden.
Für den Markt ist dies von Vorteil für Anbieter, die in gründliche Analysen, Studien und eine umfassende Dokumentation investieren können. Für erwachsene Verbraucher unterstreicht es die Attraktivität transparenter, laborgeprüfter Produkte mit klaren Inhaltsstofflisten und realistischen Anwendungshinweisen. In einer Welt, in der Marketingversprechen mitunter zu voreilig gemacht werden, fördert diese jüngste Empfehlung mehr Sorgfalt und Strenge.
Gefährdete Bevölkerungsgruppen bleiben eindeutig getrennt
Eine der deutlichsten Aussagen der EFSA betrifft die Gruppen, für die die Sicherheit von CBD nicht belegt ist. Die Behörde nennt dazu Personen unter 25 Jahren, Schwangere und Stillende sowie Personen, die Medikamente einnehmen. In diesem Punkt ist die Position eindeutig: Die Unsicherheit ist weiterhin zu groß, um diese Anwendungsgebiete als ausreichend sicher einzustufen.
Diese Klarstellung verändert die Kommunikation über pflanzliche Produkte grundlegend. Ein für Erwachsene zugelassenes und gut formuliertes Produkt ist nicht automatisch für jeden geeignet. Dies verdeutlicht, dass die Anwendung von „Wellness“-Produkten nicht ohne Risiko ist, insbesondere bei möglichen Wechselwirkungen mit anderen Substanzen oder Medikamenten.
Für verantwortungsbewusste Verkäufer bedeutet dies konkret, bessere Informationen bereitzustellen. Für Verbraucher bedeutet es, die automatische Annahme zu vermeiden: „Es ist eine Pflanze, also ist es sicher.“ Diese Unterscheidung zwischen gesunden Erwachsenen und Risikogruppen ist zentral für die Präsentation und Verwendung von CBD-Lebensmitteln.
Was die EFSA wirklich über die Grenze zwischen Lebensmitteln und Arzneimitteln sagt
Ein weiterer wesentlicher Punkt wird oft missverstanden: Die EFSA betont zwar, dass sie die Sicherheit bewertet, es aber nicht ihre Aufgabe ist, zu entscheiden, ob ein pflanzlicher Stoff als Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel einzustufen ist. Diese Klarstellung ist entscheidend für das Verständnis der Debatte um pflanzliche Produkte.
Kurz gesagt, die EFSA entscheidet nicht allein über die Frage der therapeutischen Anwendung. Ihre Aufgabe ist es, festzustellen, ob ein Produkt oder ein Inhaltsstoff unter bestimmten Bedingungen ein akzeptables Sicherheitsniveau im Lebensmittelkontext aufweist. Die rechtliche Einstufung als „Arzneimittel“ oder „Nahrungsergänzungsmittel“ hängt von anderen Vorschriften, anderen Behörden und dem Verwendungskontext ab, insbesondere wenn eine Behandlungs- oder Präventionswirkung angestrebt wird.
Bei Hanfprodukten bedeutet dies, zwei Aspekte zu unterscheiden. Zum einen die Lebensmittelsicherheit, zum anderen mögliche therapeutische Wirkungen. Ein Produkt kann als neuartiges Lebensmittel untersucht werden, ohne als Arzneimittel anerkannt zu sein. Umgekehrt unterliegt jede Aussage, die eine starke therapeutische Wirkung nahelegt, deutlich strengeren Regulierungen als ein einfaches Wellnessprodukt.
Die therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten der Pflanze werden immer sensibler
Die jüngste Empfehlung schließt die Forschung und die medizinische Anwendung von Pflanzeninhaltsstoffen nicht aus. Sie verdeutlicht jedoch den Unterschied zwischen Anwendung zur Linderung von Beschwerden, zur Ernährung und zur Therapie. Sobald ein Produkt einer medizinischen Anwendung nahekommt, ändern sich die Anforderungen grundlegend.
Dies gilt insbesondere für CBD und allgemein für Pflanzenextrakte. Solange es sich um Lebensmittel handelt, besteht die größte Herausforderung darin, die Sicherheit in den vorgesehenen Dosierungen nachzuweisen. Sobald ein Produkt jedoch behauptet, eine Erkrankung zu lindern, zu behandeln oder ihr vorzubeugen, fällt es in eine ähnliche Kategorie wie ein Arzneimittel und unterliegt deutlich höheren Anforderungen an Evidenz, Kontrolle und Regulierung.
Für Verbraucher ist diese Entwicklung durchaus positiv. Sie ermöglicht eine bessere Unterscheidung zwischen seriösen Wellnessprodukten, die für die Anwendung unter Aufsicht von Erwachsenen bestimmt sind, und solchen mit übertriebenen Heilversprechen. Für Marken bedeutet dies eine präzisere Kommunikation: Die Angabe von Qualität, Analysen, Dosierung, Herkunft, Wirkungsspektrum und Konformität ist akzeptabel; das Versprechen medizinischer Wirkungen ohne solide regulatorische Grundlage ist hingegen inakzeptabel.
Der Fall Hanf zeigt, dass die Problematik der Verbindung von Pflanze und Nahrung weiterhin ungelöst ist
Die europäischen Nachrichten beschränken sich nicht auf isoliertes CBD. Am 30. März 2026 veröffentlichte die EFSA eine wissenschaftliche Stellungnahme zur Sicherheit eines CO₂-Extrakts aus Industriehanf als neuartiges Lebensmittel. Dies ist von Bedeutung, da es zeigt, dass Fälle im Zusammenhang mit Cannabis sativa L. weiterhin aktiv auf europäischer Ebene untersucht werden.
Mit anderen Worten: Pflanzliche Inhaltsstoffe sind nicht ausgeschlossen. Doch jeder Extrakt, jedes Verfahren und jede Anwendung muss gerechtfertigt sein. Ein CO₂-Extrakt, ein angereichertes Öl, ein standardisiertes Präparat oder eine komplexe Matrix werden nicht gleich beurteilt. Extraktionsmethode, Zusammensetzung und Anwendungsbedingungen sind von entscheidender Bedeutung.
Für den französischen und europäischen Markt bestätigt dies einen Trend zugunsten strengerer Anbieter. Die glaubwürdigsten Produkte sind diejenigen, die ihre Inhaltsstoffe, deren Gewinnung, die Analysen, die ihr Profil belegen, und die Anwendungsgrenzen präzise darlegen können. Das einfache Label „natürlich“ reicht nicht mehr aus.
Die EFSA verstärkt auch ihre Kontrollen anderer pflanzlicher Nahrungsergänzungsmittel
Die Entwicklungen rund um CBD sind Teil eines umfassenderen Trends. Im Jahr 2026 veröffentlichte die EFSA die vierte Ausgabe ihres Kompendiums pflanzlicher Pflanzen, einer offenen Datenbank, die Pflanzenarten auflistet, die potenziell gesundheitsschädliche Substanzen für Mensch und Tier enthalten. Dies zeigt, dass die Überwachung von in Nahrungsergänzungsmitteln verwendeten Pflanzen zunehmend systematischer erfolgt.
Die Behörde arbeitet außerdem an der Überarbeitung der Leitlinien von 2009 zur Sicherheitsbewertung von pflanzlichen Rohstoffen und pflanzlichen Zubereitungen für Nahrungsergänzungsmittel. Dies ist ein wichtiges Vorhaben, da es letztendlich die Analyse von Pflanzenpräparaten hinsichtlich ihrer Zusammensetzung, Verunreinigungen, Wirkstoffe und Expositionsniveaus harmonisieren und stärken könnte.
Der Fall Berberin verdeutlicht diese Neuausrichtung. Am 29. Januar 2026 genehmigte das NDA-Gremium der EFSA einen Entwurf einer Stellungnahme zur Sicherheit von Pflanzenpräparaten mit Berberin, zu dem vor der endgültigen Fassung eine öffentliche Konsultation stattfand. Auch andere Präparate, wie beispielsweise Bitter- und Süßfenchel sowie Hydroxyzitronensäure, werden derzeit bewertet. Die Botschaft ist klar: Pflanzenprodukte werden heute primär unter dem Gesichtspunkt des Risikos und der Evidenz ihrer Sicherheit geprüft.
Was ändert sich dadurch konkret für Produkte, die an Erwachsene verkauft werden?
In der Praxis legen aktuelle Stellungnahmen der EFSA nahe, dass ein pflanzliches Produkt im Lebensmittelbereich nur dann als akzeptabel gilt, wenn seine Zusammensetzung, die Verwendungsbedingungen und toxikologische Daten seine Sicherheit belegen. Dies stellt eine bedeutende Marktveränderung dar, da sie gut formulierte Produkte gegenüber rein trendigen Produkten bevorzugt.
Für Erwachsene in Frankreich und Europa bedeutet dies, dass es vor dem Kauf noch wichtiger wird, verschiedene Kriterien zu berücksichtigen: Laboranalysen, Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen, klare Dosierungsangaben, Transparenz hinsichtlich der enthaltenen Cannabinoide, Extraktionsmethode, Hinweise zur sicheren Anwendung und das Fehlen unrealistischer Versprechungen. Diese Elemente unterscheiden zunehmend seriöse von fragwürdigen Produkten.
Für Fachhändler und Hanfliebhaber gibt es gute Nachrichten: Qualität wird zu einem echten Wettbewerbsvorteil. Geprüfte, reine, gleichbleibende und gut dokumentierte Produkte sind wertvoller als falsch etikettierte oder überteuerte Ware. In einem zunehmend professionalisierten regulatorischen Umfeld basiert Vertrauen heute auf Fakten, nicht mehr auf Marketingversprechen.
Die jüngste Empfehlung der EFSA ändert zwar nicht alles über Nacht, verdeutlicht aber die Richtung der europäischen Entwicklungen. Lebensmittelprodukte auf Pflanzenbasis, insbesondere mit CBD, bleiben möglich, jedoch nur, wenn sie innerhalb eines strengen, dokumentierten und realistischen Sicherheitsrahmens entwickelt werden. Der Markt ist ausgereift, was für Erwachsene, die zuverlässige Produkte suchen, eine gute Nachricht ist.
Auch im Hinblick auf therapeutische Anwendungen ist die Erkenntnis entscheidend: Eine Pflanze, ein Extrakt oder ein Cannabinoid wird nicht automatisch zum „Medikament“, nur weil es beliebt ist, oder zum „Lebensmittel“, nur weil es natürlich ist. Die Grenzen zwischen Wellness, Nahrungsergänzungsmitteln und therapeutischen Anwendungen verschwimmen zunehmend – und zwar aufgrund eines zentralen Kriteriums: dem Nachweis. Für informierte Verbraucher und Hanfexperten gleichermaßen markiert das Jahr 2026 daher einen Schritt hin zu mehr Klarheit, größerer Vorsicht und hoffentlich höherer Qualität.